Käfer im Schnee

Käfer im Schnee
Käfer im Schnee

Die aktuelle „Schneekatastrophe“, die wir früher einfach „Winter“ nannten, hat auch auf Fritzchen Spuren hinterlassen. Sanft betont der Schnee die Konturen und die Blechausformungen des Käferhecks. Da sich direkt dahinter derzeit ein etwas mehr als meterhoher Schneeberg befindet, komme ich nicht in Versuchung, mal wieder mit einem Luftgekühlten dem Winter zu trotzen.

Vor 25 Jahren war das anders. Damals hatte ich nichts anderes zur Verfügung, also musste es der Käfer sein, bei allen Nachteilen, die das mit sich brachte. Und es waren ja nicht nur Nachteile, es gab auch handfeste Vorteile!
Zu ersteren zählte allerdings die Heizung. Eigentlich wurde ein Käfer erst richtig warm, wenn man ihn schon wieder abstellte. Meiner zumindest. Elliot, der ’65er, wurde gelegentlich von mir sogar für den Weg zur Schule benutzt. Leider hatte er vor seinem letzten Winter links einen Schubs bekommen, was neben der Kaltverformung des Bereichs hinter der Fahrertür auch zu einer Undichtigkeit führte. Im Herbst stand das Wasser im Fußraum, im Winter war zumindest immer genug Wasser im Wagen, um die Windschutzscheibe von innen fast besser einfrieren zu lassen als von außen. Die morgendliche Vorbereitung sah dann so aus:

    • Außen Enteisen
    • Defrosterspray auf das Türschloß
    • Einsteigen
    • Defrosterspray in die Pedalerie, um das Eis zu lösen
    • Motor anlassen, Heizung aufdrehen
    • Seitenscheibe runterkurbeln, Defrosterspray von innen auf die Windschutzscheibe, warten, mit Antibeschlagtuch nachwischen
    • Schalthebel im Stand mehrmals beherzt durch alle Gänge schalten
    • Losfahren und den Linksbremstrick anwenden, bis die Startautomatik die Leerlaufdrehzahl auf mehr als Absterbdrehzahl heraufgeregelt hat.

      Natürlich musste man die ersten paar Kilometer mit offenem Seitenfenster fahren, sonst hätten einen die Dünste umgebracht.

      Zu den Vorteilen gehörte, dass der Wagen auch bei zweistelligen Minustemeraturen klaglos ansprang, vorausgesetzt, die Batterie war aufgeladen. Und dank des flachen Wagenbodens und der günstigen Anordnung von Antriebsachse und Motor war der Käfer prädestiniert, auch aus der dicksten Schneewehe noch einen Parkplatz zu machen. Einfach mit Schwung rein in die verschneite Parkplatzecke, einmal rückwärts, einmal vorwärts, um eine passende Ausfahrzone für den nächsten Morgen zu schaffen und man konnte den Wagen beruhigt abstellen. Dummerweise musste man sich am nächsten Tag dann eine neue Parklücke suchen, denn die vom Käfer planierten Lücken waren mit den Ford Taunus und Opel Kadett vollgestellt, die sich vorher nicht dorthin getraut hatten.

      Heute lasse ich den Käfer bei glatter Strasse lieber in der Garage. Nicht, weil er es nicht meistern würde, aber ich hätte einfach keine Lust, irgendein modernes Auto in mein historisches Blech rutschen zu sehen, trotz ABS, ESP und was es sonst noch gibt.