Auf dem Rückweg

Maikäfertreffen – Hin und wieder zurück

Nach den umfangreichen Vorarbeiten (siehe hier und hier) stand dem Besuch des 29. Maikäfertreffens nur noch eins im Weg, die Befürchtungen des Fahrers, ob die Tour reibungslos verlaufen würde. Immerhin habe ich für mich schon vor 25 Jahren bewiesen, dass Käfermotoren nicht vollgasfest sind (siehe hier und hier). Andererseits habe ich mir schon als ich Fritzchen bekam vorgenommen, einmal zum Maikäfertreffen zu fahren. Es gab immer gute Gründe es nicht zu tun, sieben Jahre lang. Diesmal gab’s keine. Also fuhren wir, Fritzchen und ich.

Pinkelpause

Das Wetter war ausgezeichnet zum Reisen in einem offenen Kraftfahrzeug, OK, einem halboffenen. Fritzchen behauptete sich so gut, dass ich mit der Zeit immer wagemutiger wurde. Waren wir zuerst nur mit gut 100 km/h unterwegs, wurden daraus im Lauf der Zeit zwischen 110 und 120. Kurz vor Helmstedt wurden es dann sogar, unbeabsichtigterweise, fast 140 km/h laut Tacho. Unbeabsichtigterweise deshalb, weil ich bergauf einen LKW überholte, was mir bergab plötzlich ziemlich viel Schwung gab. An der nächsten Steigung passierte dann irgendetwas, das ich bis heute nicht ergründet habe. Der Motor stotterte, die Leistung fiel rapide, es roch nach verbranntem Öl oder Gummi. Als ich die Kupplung trat, ging der Motor aus. Auf der Standspur entlangrollend Richtung Ausfahrt probierte ich, ob er durch den Schwung wieder anspringen würde und liess die Kupplung wieder kommen. Siehe da, er sprang wieder an, also zumindest kein kompletter Motorexitus. In langsamer Fahrt mit holperigem Motorlauf humpelte ich nach Helmstedt hinein, direkt auf ein VW Autohaus zu.

Dort hörte sich Meister Nieder mein Problem an und begutachtete den möglichen Schaden. Außer der Tatsache, dass Fritzchen unwillig ansprang, nicht rund lief und immer noch ein leichter Geruch nach verbranntem Gummi/Öl im Wageninneren hing, war nichts festzustellen. Wir machten gemeinsam eine kurze Probefahrt rund ums Eck und dabei erholte sich a) der Motor und b) der Fahrer vom Schreck. Meister Nieder riet mir, einfach in geruhsamem Tempo über die Landstrassen Richtung Wolfsburg und weiter nach Gifhorn, meinem Tagesziel zu reisen. Immer noch leicht erschrocken von der unerwarteten Motorrebellion folgte ich diesem Rat. Danke nochmal an Meister Nieder für Rat und moralische Unterstützung.

Die Fahrt über Land brachte Fritzchen und mich zu unserem ganz persönlichen Coming Home Erlebnis, als wir in Sichtweite der Autostadt auf der B188 das VW-Werk passierten. Der schlechtgelaunte Fahrer, der sich ständig fragte, ob der Motor denn jetzt durchhalten würde und der Käfer, der zwar ein etwas anderes Motorgeräusch entwickelt hatte aber munter weiter unterwegs war, kamen nach insgesamt viereinhalb Stunden Fahrt in Gifhorn an, nach gut 300 Kilometern über Autobahnen und Landstrassen. Nachdem ich mich wieder etwas gefasst hatte, untersuchten mein Freund Thilo und ich Fritzchen Hinterteil auf etwaige sichtbare Veränderungen. Eine war ziemlich auffällig, wenn man erst mal unter dem Wagen lag. Ein Loch, ungefähr so groß wie ein Zwei-Euro-Stück, links vorn im Auspuff. Das Blech war dort halbrund nach oben weggebogen und die Abgase bliesen direkt an den Zylinder. Das Loch sah frisch aus, kein Rost dran, aber woher es kam war ein Rätsel. Sollte es durch meine Ausparkaktion ein paar Jahre früher passiert sein, als ich einen Bordstein übersah und das linke Endrohr in den Auspuff trieb? Aber das war schon Jahre her und so alt sah der Schaden nicht aus. Kein Rost. Und das Loch lag auch nicht in der Flucht des Endrohrs…

Wir haben das Rätsel nicht gelöst, aber Thilo hat einen Freund, Olli, mit extrem gut ausgestatteter Werkzeugsammlung. Dazu zählte u.a. auch ein Schutzgasschweißgerät, ein anständiger Rangierwagenheber und eine Flex. Damit bewaffnet machten Thilo und ich die Handreichungen und Olli schweißte den Auspuff leidlich wieder zu. Anschließen noch der Einsatz des 17ers und drei bekennende Petrolheads erzählten sich biertrinkenderweise Geschichten über das rostigste und schmierigste Hobby der Welt :-)

Dienstagmorgen nach dem Frühstück brachen Thilo, Fritzchen und ich früh auf, um die letzte Etappe nach Hannover unter die Räder zu nehmen. Das Wetter war bedeckt, meine Laune vorsichtig optimistisch. Und meine Laune besserte sich drastisch, als wir aus Gifhorn herausfuhren und ich im Rückspiegel plötzlich ungewöhnliche Silhouetten erspähte. Erst war’s nur ein Käfer, dann gesellten sich noch ein paar dazu. Irgendwann ergab sich ein Ad Hoc Convoy aus fünf Käfern, die vereint einen Corso zum Maikäfertreffen bildeten. Fritzchen war der Älteste und führte das Feld an. So viele Käfer hintereinander hatte ich wahrscheinlich zuletzt als Kind auf der Autobahn irgendwann Mitte der 60er Jahre gesehen.

Auf dem Weg zum Parkplatz
Bunte Vielfalt bei der Parkplatzsuche

Als wir im Corso die A2 kreuzten, kamen von links noch mehrere Bullis und Käfer dazu, das luftgekühlte Gedrängel nahm zu. Auf der Zufahrt zum Messeparkplatz Ost war es dann drei bis vierspurig, überall nur Käfer, Bullis, Buggys, Ghias und 181er. Da es meine erste Teilnahme an einem solchen Treffen war, hatte ich wirklich noch nie eine so große Ansammlung an Flat4’s gesehen. Das kombinierte Motorengeräusch dieser luftgekühlten Armada war unbeschreiblich. Nicht mal sehr laut, aber ungeheuer entspannend :-)

Wir nahmen unser Welcome Bag in Empfang und parkten schon um 9:00 auf einem Ausweichparkplatz. Die Veranstalter waren wohl selbst etwas überrascht von dem Andrang, der ursprünglich für die Luftgekühlten vorgesehene Parkraum hätte nie ausgereicht, weshalb kurzerhand auch die normalen Besucherparkplätze zu luftgekühlten Stellplätzen wurden. Muss aus der Luft fantastisch ausgesehen haben.

Wir schlenderten über den Platz und besichtigten die versammelten Ersatzteile, Devotionalien, Fahrzeuge und Besucher. Eine wirklich bunte Mischung. Das gab mir 1. das gute Gefühl, dass ich in absehbarer Zeit keine Ersatzteilprobleme haben würde und 2. das ich nicht der einzige Käferverrückte bin sondern allenfalls im Mittelfeld der Käfer-Nerdigkeit rangiere.

Vier Fahrzeuge sind mir in besonderer Erinnerung geblieben. Erstens ein T1-Bulli aus England mit Überrollkäfig, getunter Maschine und sichtbaren Brandspuren hinten rechts. Den hätte ich am liebsten gleich mitgenommen. Sah cool und schnell aus und vor allem professionell hergerichtet. Zweitens ein Käfer für Viertelmeilenrennen, fertig hergerichtet aber ohne Motor. Sollte 6500 € kosten und war die wohl auch wert.

Das dritte Auto, das bleibenden Eindruck bei mir hinterliess, verdankt das eher dem Preisschild, das es zierte. Es war ein 58er T1 Kombi, ziemlich rostig, mit nur teilweise vorhandener Inneneinrichtung aber vollständiger Karosserie. Der Besitzer wollte sagenhafte 16.000 € dafür haben. Nummer vier war ein großer Karmann Ghia, selten aber vor allem selten weit verrostet. Der Besitzer hatte in den weitgehend offen verrosteten rechten vorderen Kotflügel sogar eine große Ratte hinein modelliert. Von A-Säule nach hinten sah der Wagen leidlich gut aus, aber von dort nach vorn nahm der Verfall erschreckende Ausmaße an. Dafür stand der Wagen aber auch für nur 3.400 € zum Verkauf. Die nötigen Schweißarbeiten würden aber geschätzt gut das fünf bis zehnfache verschlingen, vorausgesetzt, man bekommt die passenden Blechteile.

Gestärkt mit Bratwurst und Pommes verliessen wir das Treffen wieder. Ankommende Besucher bekamen schon keine Welcome Bags mehr, nur noch die Aufkleber. Der Ansturm hatte wohl alle Erwartungen übertroffen. Auf dem Rückweg sahen wir, dass sich die ankommenden Käfer und Co. schon bis auf den Messeschnellweg zurück stauten.

Auf dem Weg nach Osten
Auf dem Weg nach Osten

Über A2 und Landstrassen ging es zurück nach Gifhorn, um Thilo abzusetzen, dann Richtung Wolfsburg und von dort über die Autobahn  zurück Richtung Berlin. Nach der kleinen Ermahnung vom Vortrag hatte ich mir geschworen, nur noch 90 zu fahren. Das war auch kein Problem, LKWs fuhren dank des Feiertags ja nicht und so konnten Fritzchen und ich als rollendes Verkehrshindernis entspannt mit 90 Sachen gen Osten tuckern. Das alles bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein und leidlich guter Laune. Die stieg mit jedem Kilometer, den wir der heimatlichen Garage näher kamen. Zwei Pausen und 200 Kilometer später steigerte ich am Dreieck Werder die Reisegeschwindigkeit auf 100 km/h und ab Dreieck Spreeau dann auf 110. Wir waren so gut wie zuhause, als uns die erste Baustelle des Tages und der erste Stau erwischten. Im Nachhinein eine problemlose Heimreise, die ich fast komplett offen fahren konnte und die Fritzchen  mit weniger als 8l pro 100 km Spritverbrauch absolvierte.

Auf dem Heimweg

Der Auspuff ist allerdings fällig, so ganz rund klingt Fritzchen nicht. Und Olli hat auf der Probefahrt Montagabend den Hinweis gegeben, dass der Kupplungszug wohl demnächst gewechselt werden sollte. Und einen neuen Beifahreraussenspiegel brauche ich auch, vor allem zum Rangieren. Sowas gab’s auf dem Teilemarkt in Hannover tatsächlich nicht, zumindest sprang uns trotz eifriger Suche keiner ins Auge.

Alles in allem eine denkwürdige aber auch anstrengende Reise…